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GISHIKI | DIE ZEREMONIE
J 1971, R: ­­­Nagisa Oshima, D: Kenzo Kawarasaki, Atsuko Kaku, Kei Sato, 123’



Für Gishiki stellte die Art Theatre Guild, die sich nach 1968 zum bedeutendsten
Sammelbecken für unabhängige japanische Autorenfilmer entwickelt
hatte, dem Regisseur Nagisa Oshima dessen bis dahin größtes Budget zur
Verfügung. Oshimas Film erzählt seine eigene und Japans Geschichte und
setzt sie in Beziehung zur patriarchalischen Militärdiktatur. Die Großfamilie
Sakurada vereint unter ihrem Dach Großväter und Enkel, Regierungsfunktionäre
und Kommunisten, Kriegsverbrecher und deren Opfer: eine Allegorie
der japanischen Nachkriegsgesellschaft. Den Zeremonien der Familie –
Hochzeiten, Begräbnisse, Todestage – korrespondieren neuralgische Punkte
der japanischen Geschichte seit 1945: die Säkularisierung der vormals göttlichen
Herrschaft des Tenno, das japanisch-amerikanische Sicherheitsabkommen,
der Aufbruch der radikalen Studentenbewegung.
Sich der eigenen Herkunft zu vergewissern, um diese zu überwinden; so ließe
sich der politische Einsatz von Gishiki auf den Punkt bringen. Oder, mit
den Worten Oshimas, der im Alter von sechs Jahren zum Halbwaisen wurde:
»Was können Eltern für ihre Kinder tun? Nichts. Angenommen, sie könnten
doch etwas tun, wäre es dann nicht allenfalls, so früh wie möglich zu sterben?
« (Nagisa Oshima, in: Die Ahnung der Freiheit, 1982)

Einführung: Kayo Adachi-Rabe

18.04. | 21:00


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