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AFRIQUE-SUR-SEINE
F 1955, R: Paulin Soumanou Vieyra, 21’ | DVD, OmeU

CONCERTO POUR UN EXIL
CI/F 1968, R: Désiré Écaré, 42’ | OF

Afrique-sur-Seine von 1955 gilt als die erste Regiearbeit eines Afrikaners in
der Geschichte des Films. Dass der Filmemacher Paulin Vieyra, der erste afrikanische
Absolvent des Pariser IDHEC (Institut des Hautes Études Cinématographiques),
sein Debüt nicht wie beabsichtigt auf afrikanischem Boden geben konnte, ist einer gesetzlichen Verfügung der französischen Kolonialmacht geschuldet, wonach jedes Filmprojekt auf dem Territorium des damaligen Französisch-Westafrika noch in der Planungsphase vom betreffenden Gouvernement abgesegnet werden musste.
Eine Gnade, die Vieyra nicht zuteil wurde, weshalb er sich genötigt sah, die
Dreharbeiten und mithin den Ort der Handlung von seiner senegalesischen Heimat
nach Paris zu verlagern. Es entstand ein Film über das Afrika der Ausgewanderten
und Ausgestoßenen, über die afrikanische Diaspora an der Seine, der trotz widriger
Produktionsbedingungen ein weitaus optimistischeres Bild zeichnet als über zehn
Jahre – und etliche Migrationswellen – später Med Hondos verzweifelnder
Soleil Ô (23.5.).
Désiré Écarés Concerto pour un exil, eine Bestandsaufnahme der afrikanischen
Intelligenzia im Paris des Jahres 1968, begegnet seinem Gegenstand mit einem
gerüttelt Maß Ironie und stilistischer Lässigkeit, die an die scheinbare Leichtigkeit
der Nouvelle Vague gemahnt – mit ein Grund, weshalb Concerto pour un exil aus
der kanonischen Filmgeschichtsschreibung, die das afrikanische Kino dieser Ära
allzu leichtfertig auf den Ernst eines didaktischen Realismus reduzieren will,
heraus fällt.

24.04. | 21:00


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